Dänisch ist wie Stricken

Zwei Maschen recht, zwei Maschen links, zwei Maschen rechts, zwei Maschen links…
Mist die Katze hat gezogen und wie war das noch mal mit der Ferse?
Das ist die jugendfreie Variante meiner Gedanken, während ich zum fünften Mal versuche eine Socke für meinen Sohn zu stricken, vor dem Lockdown habe ich mir ein Nadelspiel gekauft. Für die nicht Stricker unter uns: das sind fünf kleine Nadeln um in Runden zu stricken, in meinem Fall Socken. Natürlich auch Wolle, bunte zum Basteln und eben etwas das wie Sockenwolle aussah, wie ich jetzt weiß, aber vermutlich direkt aus der Hölle für Feinmotoriker kommt und den günstigen Preis erklärt.

Ich versuche zu stricken, weil ich nicht Joggen kann, zu müde bin für Sport und zu unkonzentriert für Yoga. Die innere Unruhe musste kanalisiert werden. Immer nur Putzen, die Haustiere und Baby versorgen….Am Ende des Tages hatte ich nicht das Gefühl etwas geschafft zu haben. Aber dieses Stricken….Es frustriert mich, ich quäle mich ab und hab keinen Plan, was ich da mache. Zum Einschlafen schaue ich Strickvideos in der Hoffnung, etwas zu lernen und das große Rätsel der Maschen zu lösen.
Spoiler: ich habe die Socke nicht fertig, schlafe dafür aber leichter ein UND sehe am Ende des Tages doch etwas an Fortschritt, den ich zwar dann wieder auftrennen muss, weil voll Fehler, aber es ist befriedigender als Küche zu putzen die am nächsten Morgen dann doch wieder aussieht als wäre Kevin allein zuhause gewesen und zwei Männer hätten versucht einzubrechen.

Links, Rechts – ARRRRGHH

Ich bin nicht geschickt, nicht begabt und dennoch lerne ich gerne dazu. Es frustriert und befriedigt mich gleichermaßen. Ich fluche und verzweifle, während ich Masche um Masche von einer Nadel auf die andere stricke.
Eine ähnliche Beziehung habe ich damit, Dänisch zu lernen. Ich habe keine Ahnung, wie man diese Sprache nüchtern sprechen kann und obwohl ich es schon seit einigen Wochen versuche, habe ich nicht das Gefühl wirkliche Sätze sprechen zu können.

Jeg tager en Kaffe og en Kanelsnegl

Okay, gut, Kaffee und Zimtschnecke bestellen, funktioniert. Grundnahrungsmittel und was zu Essen ist gesichert. Ich kann auch Fragen, wie es jemanden geht und mich bedanken. Aber wehe die Sätze werden länger…

Ich habe auch keinen Bezug zu Dänemark. Anders als Irland hatte ich es nie auf den Radar, wollte da nie hin, doch nun wo die ganze Familie meines Mannes wieder a n der Grenze lebt, finde ich es nur höflich auch ein wenig zu lernen. Heimlich, denn meine Aussprache ist scheinbar grottenschlecht. Die arme App gibt schon auf mich zu fragen ob ich sprechen möchte und schlägt mir gleich vor, mir die Wörter besser nur anzuhören.

Mit Englisch war es leichter, ich lebe in einer Stadt, die bis 2013 von Amerikanern besetzt war. Englisch gehörte zu meinem Alltag und das lernen fiel mir dementsprechend leicht. (Seit ich es nicht mehr nutze ist natürlich passiv mehr drin als praktisch, aber hey, immerhin mehr als snakker dansk)

Ich versuche nun, einen Bezug zu Dänemark zu finden. Sehe dänische Serien (auf deutsch, ich habe meine Lieblingssendung Rita versucht auf Dänisch zu sehen. Nicht ein Wort konnte ich heraushören, außer Skal)
Natürlich lese ich nun auch Bücher und ich muss sagen, ich fange an das Völkchen im Norden zu mögen. Es ist keine Landschaft für mein Frankenherz, aber die pädagogische Einstellung, die Art der Alltagsgestaltung hat was.

Während ich mich also in den paar Minuten Ruhe am Tag von Masche zu Masche schlängle, von Vokabel zu Vokabel und dabei nur wenig Fortschritte sehe, merke ich wie viel Stricken und Dänisch gemeinsam haben. Beides ist nicht leicht, beides erfordert Ausdauer. Aber wenn ich dann einen Erfolg sehe, dann freue ich mich umso mehr und beides endet mit Hygge und beides macht mir warme Füße.

In diesem Sinne,
Hej Hej

5 Kommentare zu „Dänisch ist wie Stricken

  1. Hey hey! Ich finde es gut, wenn man Kaffee und Beiwerk in der jeweiligen Landessprache bestellen kann. Mag sein, dass die Aussprache nicht hundertprozentig ist, aber es zeigt zumindest guten Willen. Wie immer ist aller Anfang schwer, doch mit der Zeit dürfte es leichter werden. Dabei finde ich die Dänen vor allem wegen Hygge sehr interessant. Zumindest besteht der begründete Verdacht, dass sie einen Weg gefunden haben zufriedener zu sein als wir. Ob das an der Sprache liegt kann ich allerdings nicht beurteilen. „Jeg tager en Kaffe og en Kanelsnegl“, werde ich mir merken! Ansonsten: viel Erfolg!

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